Adventskalender

der Pfarrei Christus König, Osnabrück

Ein Blick in die Krippe

Das letzte Türchen ist geöffnet: 24. Dezember. Dahinter verbirgt sich – wie sollte es anders sein – ein Blick in die Krippe. Wir wissen genau, wem wir da begegnen. Aber manchmal kommt man ins Nachdenken – und fragt sich: Weiß ich eigentlich noch, wer ICH bin?

Weihnachten kann mir helfen, das herauszufinden. Viele Türen waren und bleiben geschlossen in diesen Tagen. Die Tür meines Herzens aber – die kann ich öffnen. Und zwar dem, der auch in diesem Jahr an meiner Seite ist. Dem, der sich in die dunkelste Dunkelheit begeben hat. Dem, der mir die Last tragen hilft. Dem, der mich anlächelt  mit seinem entwaffnendsten Lächeln.

So manches Lächeln hat vielleicht auch dieser Adventskalender in Ihr Gesicht gezaubert. Durch ein Lied, die ansteckende Dynamik beim Plätzchenbacken, eine neue Perspektive oder einen anrührenden Gedanken. Ich kann nur DANKE sagen allen, die mitgemacht und uns so geholfen haben beim Weg finden zu uns selbst, zum anderen – und zum Kind in der Krippe.

Alexander Bergel

Nun sind sie wieder aufgebaut: die Krippen in unseren drei Kirchen. Liebevoll werden sie jedes Jahr zu Weihnachten von verschiedenen Gruppen unserer Pfarrei immer wieder neu in Szene gesetzt. Viele Menschen besuchen unsere Krippen in der Weihnachtszeit. Auch an dieser Stelle: eine herzliche Einladung dazu! Die Kirchen sind geöffnet.

Neben Maria, Josef und dem Kind sind an den Krippen immer auch Menschen zu sehen, die damals gesellschaftlich am Rande standen. Sie waren die ersten Besucher. Unter dem Motto „Wer ist mein Nächster?“ betrachtete vor zehn Jahren eine Gruppe aus Heilig Geist in den Rorategottesdiensten in der Adventszeit diese Krippenfiguren. Einer von ihnen: der Kameltreiber, der zur Krippe in Heilig Geist gehört. Seit über 50 Jahren hat er hier seinen festen Platz. Wir verdanken ihn den Kindern unserer Gemeinde, die damals dafür gesammelt haben. In der biblischen Weihnachtsgeschichte kommt ein Kameltreiber allerdings gar nicht vor. Warum gehört er dann zu unserer Krippe?

Dieser junger Mann ist Ausländer. Man sieht es sofort:

  • seine dunkle Hautfarbe
  • sein orientalisches, arabisches Aussehen
  • der Turban
  • die Pluderhose

Ein Fremder, aus einer anderen Kultur, aus einer anderen Religion, aus anderen politischen und gesellschaftlichen Lebensverhältnissen. Wir würden heute sagen: ein Jugendlicher mit Migrationshintergrund. Und der gehört zu uns, zu unserer Krippe. Er ist unser Nächster, einer von denen, die am Rande leben, und die man nicht beachtet.

Wer ist mein Nächster? Diese Frage richtet sich auf unsere Krippenfigur, die stellvertretend für die Menschen steht, die uns fremd sind, anders als wir und die doch mit uns leben.

Unser Kamelführer, übrigens eine durchaus sympathische und liebenswerte Person, erinnert uns daran, dass er als Fremder zu uns gehört. Er macht uns stellvertretend aufmerksam auf die Lage der Menschen, die sich in unserem Land, in unserer Stadt, in unseren Gemeinden fremd fühlen. Der junge Fremde hat seit mehr als 50 Jahren einen festen Platz an unserer Krippe. Haben Fremde auch einen festen Platz im Leben unserer Gemeinden?

Text: Ludwig Lanver

Zum Abschluss eine Rätselfrage für die Kinder:

Wer findet den Kameltreiber in der Heilig-Geist-Kirche? Er ist mit den Heiligen Drei Königen noch unterwegs zur Krippe … Viel Spaß beim Suchen!

Bilder im Video: Marie-Luise Fleute, Heiner Heidemann, Sonja Hillebrand, Gregor Kleine-Kohlbrecher, Marion Lahrmann, Thomas Osterfeld, Bernhard Wansorra.

Wir wünschen allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein glückliches und gesundes Jahr 2021!

Astrid Fleute,
Simone Kassenbrock,
Christian Vallo

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